Grüne Energiepolitik – QUO VADIS?

GRÜNE DISKUTIEREN ÜBER ENERGIEPOLITIK
Ein interessanter Abend war das im Adler – Energiepolitik – wohin geht die Reise: Referent war Uwe Petersen, Verfahrensingenieur, der schon in Kouru bei den Starts der europäischen Ariane-Raketen mitgearbeitet hat und nun Vorstand der Grünen in Landkreis ist. Bei seiner Vorstellung wies Moderator Fritz Merkle darauf hin, dass Klimaschutzpolitik und Energiepolitik nichts an ihrer Bedeutung verloren haben und dass die bedrohliche Erderwärmung durch die Pariser Beschlüsse keineswegs abgewendet sei.
Uwe Petersen betrachtete die Situation zunächst global mit den Augen eines Ingenieurs und stellte die Energiemengen vor, die wir Menschen täglich verbrauchen und die die Sonne uns täglich liefert: Die Sonne liefert ENERGIE WIE HEU – wir brauchen sie nur anzuzapfen. Es hat sich gezeigt, dass wir das schon jetzt weit besser können als gedacht. Das Fraunhofer Institut ISE in Freiburg sagt voraus, dass bereits in weniger als 10 Jahren Solarenergie die billigste Energiequelle weltweit ist.

Der Referent zeigte nun am Beispiel seines eigenen Haushalts, welche Energiemengen er und seine Familie verbrauchen. Als Ingenieur hat er das über Jahre dokumentiert. Als er beschloss, seinen Strom selbst zu erzeugen, waren die unseligen Novellen des EEG-Gesetz, mit denen weniger die Verbraucher entlastet, als vielmehr die alten Konzerne geschützt wurden schon absehbar. Gesetze, durch die auch die hiesigen Solarpioniere (Solarfabrik und SAG) in die Insolvenz getrieben wurden. Er fand seinen – neuen – Weg. Mit Hilfe von Batteriespeichern erzeugt er seinen Strom zu einem hohen Anteil selbst und da er ihn gar nicht mehr ins Netz speist, hat er sich von den Fesseln des Gesetzes abgekoppelt. Die ausgeklügelte Steuerung entscheidet: 100 % Eigenstrom oder nur Netzstrom. Auf diese Weise kommt er zu einem hohen Eigenstromanteil von ca. 75%. Fürs Heizen und Kochen verwendet er weiterhin Gas, das auf Grund seiner chemischen Zusammensetzung CH4 eine deutlich geringere CO2 Emission verursacht als Heizöl oder Kohle. Pelletsanlagen sind natürlich gut – mehr oder minder CO2-neutral, jedoch Holz ist auch begrenzt und die Investition ist relativ teuer.
Damit war auch schon die Zukunft des Energiemarktes vorgezeichnet. Ohne Speicher geht es nicht bei der volatilen Einspeisung von Sonne und Wind – aber ein Großspeicher ist ja schon vorhanden – das Erdgasnetz mit gigantischen Speicherkavernen und der gesamten Infrastruktur. Das Zauberwort heißt Power-to-Gas und meint, dass überschüssiger erneuerbarer Strom durch Elektrolyse von Wasser (Wie es bei Fraunhofer ISE in Freiburg schon geschieht) in Wasserstoff zerlegt wird. Bis zu 5 % ist der ohne Probleme ins Gasnetz einzuspeisen. Größere Überschuss-Mengen werden dann unter Verbrauch des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids zu Erdgas umgewandelt, erneuerbares Erdgas sozusagen. Ein bestechender Weg für die von den Pariser Klimabeschlüssen geforderte Reduktion fossiler Brennstoffe. Selbst China hat inzwischen kapiert, dass die Zukunft des Landes nicht mehr in der Natur und Mensch zerstörenden Kohleverbrennung, sondern in Sonne und Wind liegt – Sonne und Windbranche boomen, Kohleindustrien gehen reihenweise insolvent. Doch beim gefühlten „(Um)weltmeister Deutschland sollen Solar- Wind- und Biomassebranchen noch weiter geknebelt und die alten Konzerne geschützt werden. Der Referent bezweifelt sogar, ob beim weiteren dezentralen Ausbau der Erneuerbaren die hässlichen Großtrassen überhaupt notwendig wären. Sie nützen vor allem dem alten Modell – Großanlagen erzeugen Energie.
Hehre Worte in Paris und Deutsche Realpolitik sind noch Züge, die in verschiedene Richtungen fahren. Vielstimmige dissonante Chöre gibt es zur Zeitalso nicht nur in der Flüchtlingspolitik. Bleibt noch zu erwähnen, dass Atomkraft weltweit faktisch am Ende ist, so der Referent. Zu teuer, zu alt, zu gefährlich. Die Atomkonzerne kämpfen mit dem Rücken zur Wand, weil die wenigen Neubauten Milliardengräber sind. Ihre Aktienkurse zerbröseln. Das ist die gute Nachricht.
Von Friedrich Merkle
Ortsverbandder Grünen Bad Krozingen
Vorstand

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